Bluebrixx Pro 104120 - Schlingmann TLF-3000 VARUS 4X4

  • (Bitte im Kopf „Ghostbusters“ summen)

    Wenn es wieder mal brennt in der Nachbarschaft:

    Was ruft ihr dann?

    Varus, gib die Legionen zurück!

    Nein quatsch, natürlich ruft dann hoffentlich jemand die Feuerwehr. Aber was hat die Feuerbekämpfung mit dem römischen Statthalter Varus zu tun, dessen Wirken dazu führte, dass Totto sein markantes Profilbild hat und im Teutoburger Wald ein riesiges Herrmannsdenkmal steht?


    Die Verbindung schafft der deutscher Aufbauhersteller Schlingmann selbst, welcher seinen Sitz in Dissen beim Teutoburger Wald hat, und eine ganze Aufbau-Reihe „VARUS“ taufte – mit zugehöriger Legende, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

    Die Legende vom Feuerwehrmann Varus

    Generationen von Schulkindern haben im Geschichtsunterricht die Geschichte
    von der Varusschlacht gelernt. Seit Jahrhunderten versuchen Historiker, den
    Ort, an dem die Schlacht stattfand, zu lokalisieren, aber noch nie wurden
    stichhaltige Beweise für die Schlacht gefunden.

    Warum? Vielleicht ist die Antwort simpel: Es gab diese Schlacht nie und die
    Römer haben sie erfunden, um die wahre Geschichte zu vertuschen.

    Die Geschichtsschreibung ist voll von Berichten über verheerende
    Feuersbrünste in Rom, welche teilweise die ganze Stadt vernichteten. Die Römer
    hatten damals zu ihrem Schutz lediglich eine kleine Truppe von Sklaven, die sie
    zwangen, gegen die Brände vorzugehen.

    Varus war damals Statthalter in Germanien und dort lernte er das germanische
    System kennen: Abertausende von Bürgern brachten dort – freiwillig und ohne
    Entlohnung – ihr Leben in Gefahr, um unter dem Leitspruch “Gott zur Ehr’ dem
    nächsten zur Wehr” in brennende Häuser einzudringen und Menschen zu retten.

    Varus war begeistert und versuchte, die Römer von diesem tollen System zu
    überzeugen, doch Kaiser Augustus weigerte sich. Und so sah Varus schließlich nur
    einen Ausweg – er trat mit seinen drei Legionen aus der römischen Armee aus und
    in die germanische Feuerwehr ein. Natürlich konnten die Römer das nicht auf
    sich sitzen lassen – und so erfanden sie die Legende von der Schlacht am
    Teutoburger Wald.

    Wieso sie behaupteten, die Schlacht hätte am Teutoburger Wald stattgefunden?
    Ganz einfach: Varus hatte sich hier niedergelassen und beschäftigte sich fortan
    mit der Entwicklung von Gerätschaften, die seine Kameraden von der Feuerwehr
    bei ihren Einsätzen unterstützen und schützen sollten. Noch heute lebt dieser
    Erfindergeist und der Wunsch, Kameradinnen und Kameraden die bestmögliche
    Technik zur Verfügung zu stellen, am Teutoburger Wald weiter.

    Und deswegen lassen wir VARUS wieder auferstehen.*

    * Die Legende ist eine dem Märchen und der Sage verwandte Textsorte bzw.
    literarische Gattung, die einen Kern von Wahrheit beinhalten kann – aber nicht
    muss. Diese hier ist frei erfunden – aber es könnte genauso passiert sein, oder
    nicht?

    Quelle: https://www.schlingmann112.de/varus/


    Abseits von diesem Marketing-Gag geht es hier um ein weiteres Modell, was bei Bluebrixx in Zusammenarbeit mit Xingbao (der beiliegende Teiletrenner verrät es) und unter offizieller Schlingmann-Lizenz umgesetzt wurde: Den Schlingmann TLF-3000 VARUS 4x4. Genauer gesagt auf Unimog-Fahrgestell.

    Wie es schon einigen bekannt sein sollte, widme ich Feuerwehrmodellen meine ganz besondere Aufmerksamkeit und bespreche diese dann auch sehr ausführlich. Gerade im Hinblick, wie spartanisch die Produktvorstellung im Video von Bluebrixx selbst ist, möchte ich hier einen Ausgleich - oder besser gesagt - eine Ergänzung für diejenigen liefern, die mehr über die eigentlichen Hintergründe wissen möchten und wie gut das Modell sie eigentlich widerspiegelt.

    Die weiteren technischen Details und anderes Hintergrundwissen gibt´s mal wieder im Spoiler. Ansonsten bitte hier lang zur Modellvorstellung.

    Hintergrundwissen

    Aufgrund der Lizenz und der offiziellen Bezeichnung ist eine Identifizierung des Originals leicht: Ein TLF 3000 VARUS 4x4 auf U5023. Dabei gibt die Bezeichnung TLF 3000 den anvisierten normierten Fahrzeugtyp an, während VARUS das spezielle Aufbausystem bei Schlingmann identifiziert. Das 4x4 steht natürlich für Allradantrieb und die Kennung U5023 weist auf das spezifische Baumuster des Unimog-Unterbaus hin.


    TLF 3000 ist die Abkürzung für ein Tanklöschfahrzeug mit mind. 3000 l Wassertank. Nach Normierungsvorgaben besteht die Beladung vorwiegend aus Material für die direkte Brandbekämpfung und umfasst somit vorwiegend Schläuche, Strahlrohre, Armaturen zur Wasserentnahme (sowohl aus dem öffentlichen Leitungsnetz als auch aus offenem Gewässer) und wird ergänzt durch eine Grundausstattung an Handwerkzeug und Mitteln zur Verkehrsabsicherung. Zum Eigenschutz sind je nach Größe der Mannschaftskabine 2-4 Pressluftatemgeräte verlastet und eventuell weitere Reserveflaschen. Das Ganze wird dann durch tragbare Leitern abgerundet, welche mind. eine 4-teilige-Steckleiter beinhaltet


    VARUS ist ein relativ neues Aufbausystem von Schlingmann, welches 2015 vorgestellt wurde. System meint hier, dass es eine eigene Designsprache besitzt, wie es so schön heißt, die aber über das reine Aussehen hinausgeht. Auch die Konstruktion der Kabinen und die Aufbaumodule werden unter VARUS vereinheitlicht und von anderen Baureihen bei Schlingmann unterschieden, die weiterhin existieren.


    U5023 steht für ein Unimog-Fahrgestell aus dem Baumuster 437.437. Der Grundtyp ist zwar eigentlich ein U5000, aber aufgrund der gestiegenen Abgasnormen ist die U5023 eine überarbeitete Version davon. Dieses Baumuster kann übrigens ein Gesamtgewicht von 12,5 bis 14,1 Tonnen besitzen. Kein Vergleich mehr zu dem, bei Feuerwehren lange Zeit sehr verbreiteten, Vor-Vorgängermodell U1300 L aus dem Baumuster 435, dass es damals auf ein bescheidenes Gesamtgewicht von 7,5 bis 8,5 Tonnen brachte.


    Eine Besonderheit bei dem Unimog U5023 in der „Feuerwehr-Edition“ ist die Möglichkeit, eine Dachluke in das Fahrerhaus zu integrieren, über der eine Person aus dem geschützteren Inneren heraus zum Beispiel während der Fahrt löschen kann.


    TLDR: Also, was erwarte ich? Vom Fahrzeugmodell her muss das Äußere klar einen Unimog der neuesten Generation darstellen. Typische Anbauten der Feuerwehr sollten dem VARUS-Design von Schlingmann entsprechen. Die Beladung wiederum sollte vom Inhalt her die Ausstattung eines Tanklöschfahrzeugs widerspiegeln.


    Der Bau

    Das Ganze kommt in einem schick bedrucktem Karton an, der bereits die Highlights des Modells gut präsentiert. Macht auf jeden Fall Appetit auf´s Bauen. Drinnen liegt dann dicht gepackt (es wird keine Luft mitgeschickt) die ganzen Tüten samt gut gedruckter Anleitung und einem Stickerbogen. Ja, richtig gelesen, es gibt Sticker. Das wundert ein wenig, da schon beim Vorgänger, dem HLF, alles bedruckt war - auch über mehrere Steine. Hier also nun Sticker für eine Beschriftung über mehrere Steine. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass auch weiterhin alles Wichtige bedruckt ist. Die Sticker sind tatsächlich im Grunde nur die Werbebeschriftungen seitens Schlingmann und ein Weglassen stört nicht. Ich habe im Laufe des Baus mich dann dafür entschieden, zumindest die Logos für VARUS aufzukleben.

    Die Anleitung beginnt dann auch mit einer kurzen Vorstellung und Produktbildern des VARUS TLF 3000. Allerdings ist der Text ziemlicher Werbesprech und steht so wahrscheinlich auch in irgendeiner Broschüre von Schlingmann. Eine etwas angepasster Text für Laien mit gezielter Ansprache der Highlights im Modell, z.B. wie bei den antiken China-Modulars von Xingbao, hätte die Präsentation aufgewertet. Die Anleitung selber ist eigentlich gut zu lesen. Für mich persönlich sind bei Xingbao-Anleitungen die kompakte Darstellung vieler Bauschritte in einem kleinen Neben-Fenster immer etwas anstrengend. Da ist Konzentration gefragt, um nicht doch einen Pfeil fehlzudeuten.

    Die Klemmkraft der Steine ist gut, bis auf zwei Ausrutscher. So klemmten ein paar 2x4 Bricks alleine wenig gut. Sie werde aber später ausreichend überbaut, um dann kein Problem mehr darzustellen. Auch bei den Technic-Pins ist noch Luft nach oben bei der Qualität. Sie sind kein Schrott, aber sie klemmen immer noch weniger "Smooth", als die bei Lego. Dadurch sind Baulösungen, in denen man Stangen in diese Pins schiebt, etwas hakelig zu klemmen.

    Die vorliegenden Drucke überzeugen von der Qualität. Die bedruckte 6x6 Fliese weist zwar einige Kratzer auf, aber der Druck ist in Ordnung. Die zwei Prints vom Wappen, die ihr später an den Türen seht, sind übrigens nicht dabei, sondern Custom Parts, die ich selber hinzugefügt habe.

    Beim Bauen gibt es im Grunde nur zwei hakelige Stellen, bei denen man vorsichtig hantieren muss. Da wäre zum einen der Bau der Karosserie, bei dem man auch die Tanks an der Seite bereits anbaut. Diese halten lange Zeit nur an ein paar Noppen und können leicht abfallen, wenn man sie beim Bau unvorsichtig anfasst. Erst beim Überbauen mit den roten Plates, ist dies dann (fast) kein Problem mehr.

    Die andere schwierige Stelle ist dann der Bau des Fahrerhauses, welches der vorletzte Schritt ist. Baut man nach Anleitung, werden die schwarzen Kotflügel jeweils an insgesamt vier Noppen an der Seite befestigt. Darauf wird dann die jeweilige Tür vorgeklemmt lose aufgelegt. Und bleibt dann auch erstmal lose. Der weitere Bau der Front klemmt zwar dann die Türen irgendwann fest, aber der gesamte Aufbau ist lange Zeit nur locker aufliegend. Irgendwann geht man dann doch dazu über, den Bau losgelöst von der Karosserrie zu beenden und dann im Ganzen aufzusetzen, was auch gut klappt. Mit dem Aufklemmen der Windschutzscheibe und des Daches klemmt das Ganze dann auch am Schluss sehr stabil.

    Kleinere Highlights für mich beim Bau waren der Bau des Stromaggregats mittels BRU, die Schläuche mittels Felgen, die Kanister sowie das kleine Tetrisspiel beim Bau der Zugangsleiter zum Dach.

    Die Fliesen sind alle durchweg mit Mikrokratzern übersät, was aber größtenteils nicht stört. Die Windschutzscheibe war zusammen mit den Reifen extra verpackt und dementsprechend einigermaßen geschützt. Leider gab es auch immer noch einzelne verdreckte Teile, welche aber wenigstens leicht gereinigt werden konnten.

    Dann noch eine kleine Kuriosität: Bei mir lagen zwei Ingots in Pearl Black bei, die ich nirgendwo zuordnen kann. Statt dessen fehlen mir zwei Ingots in Black. Ich habe die Anleitung mehrmals geprüft und bin mir somit relativ sicher, dass ich mich nicht verbaut habe und somit Teile in falscher Farbe vorliegen. Alternativ ist die Farbtreue für Pearl Black in der Anleitung von Black nicht zu unterscheiden. Wie dem auch sei, ich habe sie für die Rückspiegel verwendet.

    Insgesamt war der Bau schön abwechslungsreich, auch wenn ich persönlich immer froh bin, wenn der "Technic"-Part der Karosserie fertig ist. Ich finde es einfach spannender, den Geräteraum Stück für Stück mit seiner Beladung zu klemmen. Als Hinweis sei noch gesagt: Auch wenn es nicht viele Anbauten gibt, die abfallen können, so muss man später trotzdem darauf achten, die Tanks und das hintere Trittbrett nicht unvorsichtig anzufassen. Man hat aber eigentlich genug Raum, um das Modell gut in einer Hand zu halten und Teile anzuklemmen. Dann stört es auch nicht weiter, wenn bereits die Federung montiert ist. Eine letzte große Herausforderung ist die Montage des vorgeklemmenten Daches. Bis es bei mir überall gut klemmte, musste ich einige Male rundherum gut Druck ausüben. Danach hat man aber einen stabilen Block vor sich.

    Das fertige Modell

    Zum direkten Vergleich bieten sich die offiziellen Produktbilder von Schlingmann selbst an, welche man hier findet. Es ist offensichtlich, dass dem Designer mindestens diese Bilder zur Verfügung standen, um das Modell zu gestalten.

    Front

    Bei der Front gibt es einige Merkmale, die im Original unterschiedlich vorliegen können. So ist die Lage der Signalhörner variabel, als auch die Farbe der Stoßstange. Es gibt sowohl Beispiele für schwarz als auch weiß. Einigermaßen gut umgesetzt wurde auf jeden Fall der Kühlergrill. Im Original ist er zwar geschwungener, aber in dem Maßstab kann man mit Klemmbausteinen hier nicht mehr viel anders bauen. Mittels „kleiner Minidächer“ wurde zumindest das Profil der Blende so gut es geht nachempfunden. Und wenn man, anders als ich, darauf achtet, dass das Lenkrad in der Mitte richtig steht, erkennt man auch den Mercedes-Stern.


    Gut erkennbar angedeutet durch die grauen Stangen sind auch die Frontsprühdüsen für den Eigenschutz beim Überfahren von brennenden Flächen.

    Fahrerseite

    Im ersten Gerätefach auf der Beifahrerseite sind die vielen Materialkisten zumindest durch einen Werkzeugkasten angedeutet. Bei den darunter liegenden PA-Geräten sind diesmal nur die Flaschen dargestellt und nicht die Gurte mit Anschlüssen. Das war im HLF noch anders gelöst und stellt hier einen Rückschritt dar, der wohl aus Platzmangel geschah. Dafür sind dann wenigstens die beiden ausschiebbaren Verladeeinrichtungen vorhanden, welche allerdings leider nur mit generischem Werkzeug (und das gleich zweimal identisch) bestückt sind. Das ist schade, da man schon die Möglichkeit und den Platz gehabt hätte, wie im Original, an dieser Stelle die Feuerlöscher (dann etwas weniger „fett“ umgesetzt) zu verlasten. Stattdessen befindet sich hier ein Teil, was wohl wahrscheinlich ein Standrohr sein soll, allerdings hätten hier alle Teile einheitlich in Flat Silver oder zumindest Light Bluish Grey besser und realistischer ausgesehen. Außerdem ist es an der Stelle auf der wahrscheinlichen Vorlage hier gar nicht verlastet. Was man im Original noch an dieser Stelle erkennen kann, sind B-Hohlstrahlrohre mit Stützkrümmer sowie am Rand Hydroschilder (zum Erzeugen von Wasserwänden). Das ist aber leider nicht mal im Ansatz umgesetzt worden.

    Was man im Bild übrigens auch gut erkennen kann, ist eine der kleinen "Schwachstellen" im Modell. Im hinteren Gerätefach ist der Boden an dieser Stelle aus vielen kleineren Plates gebaut, sodass diese sich relativ leicht eindrücken lassen. Ich garantiere, dass ich diese nach dem Foto wieder 1A anklemmen konnte. :)


    Im nächsten Gerätefach auf der Fahrerseite sind im oberen Bereich Materialkästen mittels Boards angedeutet, in denen sich wiederum schick gebaute Handlampen befinden. Die goldenen Flaschen und gelbe Kisten daneben sollen wahrscheinlich Pneumatik-Gerätschaften (Druckluftflaschen, Steuergerät, Hebekissen) darstellen, haben aber im Original keine Entsprechung bzw. sind sie dort nicht sichtbar verlastet. Sie wären zumindest keine ungewöhnliche Beladung auf einem TLF, es sei denn, die Wehr wäre puristisch veranlagt und folgt starr der Normierungsvorgabe.


    Darunter findet man dann zwei entnehmbare Pylonen, eine weiße Kiste mit noch mehr generischem Werkzeug sowie die Feuerlöscher, welche eigentlich bereits im ersten Gerätefach sein sollten. Dafür fehlen an dieser Stelle die gerollten Schläuche sowie die Schlauchtragekörbe im unteren Bereich. Mit der Darstellung des großen Feuerlöschers bin ich nicht so zufrieden. Zum einen wirkt er viel zu massig, gerade im Vergleich zu den PA-Flaschen müsste er schmaler sein, wenn man hier nicht gerade einen 12kg-Löscher darstellen möchte und zum anderen entspricht sein Schlauch 1 zu1 dem Anschluss der PA-Geräte beim HLF. Hier hätte man besser mit kurzen Gummischläuchen gearbeitet, um realistischer zu wirken.


    Der Unterbau mit den grün markierten B-Abgängen ist korrekt angedeutet und die Trittbretter, Kotflügel und Anbauten sind realitätsnah umgesetzt

    Heck

    Im Heck wurde der Aufbau der Pumpe gut eingefangen. Für mehr Detailtreue und Darstellung aller Anzeigen reicht dann der Maßstab nicht. Hier ist aber auch erkennbar, dass der Designer nur stur nach dem Vorlagebild agiert hat und nicht die Funktionen hinterfragte. So ist die graue Round Plate im Modell als Aufbau identisch zu den roten Round Plates, welche B-Eingänge zum Tank darstellen. Also könnte man auch annehmen, dass der graue ebenfalls ein Anschluss ist. Das wäre aber Quatsch (da alle Eingänge zur Pumpe/Tank rot markiert sind) und schaut man sich das ursprüngliche Produktbild genauer an, erkennt man, dass dort eher eine flache Scheibe, denn ein Anschluss vorliegt. Da dieser freie Platz mich stutzig gemacht hat, habe ich mal genauer recherchiert und bin auf die sogenannte

    Automatische Wasserzuführungsregulierung (AWR) von Schlingmann gestoßen, was ein optionaler Anbau an der Pumpe ist und im Vorbild anscheinend nicht verbaut wurde. Dabei handelt es sich um eine Automatik zur Steuerung der Wasserversorgung der Pumpe, die dabei selbstständig entscheidet, ob gerade Wasser aus dem Tank oder über eine externe Zufuhr genommen wird. Diese externe Zufuhr wäre dann ein weiterer B-Anschluss an dieser Stelle. Also genauso, wie es im Modell bereits umgesetzt ist. Dann allerdings in der falschen Farbe (müsste natürlich rot sein)


    Über der Pumpe liegen dann weitere Gerätschaften und hier wird es knifflig. Eigentlich müsste hier, wie im Original, vorwiegend Armaturen zur Wasserentnahme und -weiterleitung verlastet sein. Namentlich ein Saugkorb und ein Sammelstück. Im Modell erkennbar ist höchsten der Saugkorb. Was die anderen beiden Geräte darstellen sollen, insbesondere die Halbkugel mit Drehrad, erschließt sich mir nicht. Darüber fehlt auch die Schleifkorbtrage, welche man zumindest farblich hätte andeuten können.

    Ansonsten bewegt sich die Heckpartie schon nah am Original – zumindest so gut es mit Klemmbausteinen und in dem Maßstab geht. Auffällig ist das deutlich sichtbarere ausfahrbare Trittbrett im Modell.

    Beifahrerseite

    Beginnend beim hinteren Gerätefach auf der Beifahrerseite ist die dortige Schnellangriffshaspel zumindest angedeutet, wenn auch ohne Schlauch. Statt der darunter liegenden umfangreichen Schlauch- und Strahlrohrausstattung wurden wahrscheinlich weiße Schaummittelkanister angedeutet. Im oberen Fach sind die Mittel-Schaumrohre aus dem Original erkennbar dargestellt. Die eigentliche Materialkiste wird als Werkzeugkiste umgesetzt.

    Schön – und auf jeden Fall ein Fortschritt im Design – ist die Darstellung der Schläuche mittels gelber Felgen und schwarzer Bar with Holder. Allerdings hätten diese besser in Flat Silver oder zumindest Light Bluish grey gepasst, da sie schließlich die Metallkupplungen darstellen sollen.
    Unklar für mich ist, was die vier Tile, Round 1 x 1 with Bar and Pin Holder andeuten sollen. Vielleicht die sichtbaren Enden von eingeschobenen Saugschläuchen? Im Original gibt es hierzu keine Entsprechung oder etwas, das ähnlich aussieht.
    Im weißen Container befinden sich vier schwarze Handgriffe für Lichtschwerter, welche wohl in diesem Fall eher Strahlrohre, genauer gesagt aufgrund der Farbe wohl Hohlstrahlrohre, darstellen sollen.

    Im letzten Gerätefach findet sich dann wieder ein Standrohr, welches wir schon baugleich auf der Fahrerseite gesehen haben. Es gibt also insgesamt zwei Standrohre auf dem Fahrzeug, was in der Realität eher unwahrscheinlich ist. Zumindest ist es hier an derselben Stelle verlastet, wie im vermutlichen Vorbild. Die Hygienestation fehlt hier übrigens komplett, ist aber auch eher ein nettes Gimmick, auch wenn Hygiene während der Einsätze ein immer wichtigeres Thema wird (Stichwort: Feuerwehrkrebs).

    Sehr nah am Originalaussehen ist dafür das Stativ mit seinen gelben Stützen. Es kann zwar entnommen werden, hat aber keinerlei Ausklappfunktion. Darunter liegt dann, wie in der Vorlage, eine rote Kabeltrommel, dem der Designer wohl aus Unkenntnis über den wahren Zweck zusätzlich eine Spritzpistole verpasst hat. Akkurat umgesetzt ist auch das Stromaggregat. Es gibt zwar bauartbedingte Abweichungen, allerdings ist es klar erkennbar. Was fehlt, sind dann die beiden Strahler, die eigntlich auf das Stativ gehören.


    Die weiteren Anbauten, wie B-Abgänge (hier in Gelb markiert für mögliche Schaumzufuhr, falls eine Druckzumischanlage zusätzlich zur Pumpe verbaut ist) und die geriffelte Box, sind gut getroffen.

    Dach

    Auf dem Dach sind gut die dargestellten Steckleitern zu erkennen. Hier sind es insgesamt vier Teile, während beim Original ganze zwei Leitern, also 8 Teile, verlastet sind. Die Schlauchteile sollen wohl vier Saugschläuche darstellen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die dargestellte Verlastung nicht original ist. Zum einen finde ich keine Bilder, wo es so in der Realität vorkommt (nur Bilder mit freiem Platz in der Mitte) und zum anderen wären die Saugschläuche so immer im Weg, wenn man an die Dachkästen unter den Leitern oder zum Wasserwerfer will. Wahrscheinlicher ist es, dass die Saugschläuche in einem der Dachkästen verstaut sind. Aufgrund der Größe der Dachkästen im Modell, hätte man das auch hier umsetzen können, indem man die Kästen aufklappbar gestaltet hätte, um dort zumindest jeweils zwei Saugschläuche unterzubringen. So sehen die Kästen aber zugegeben besser aus, als wenn man noch sichtbare Hinges verwendet hätte.

    Den Wasserwerfer am vorderen Ende finde ich nur einigermaßen gelungen. Da es aber auch die unterschiedlichsten Designs gibt, ist es sehr schwierig, hier die Vorlage auszumachen. Von dem, was ich finden konnte, würde ich aber folgendes auf das Modell rückschließen: Das große Steuerrad ist eindeutig zu groß dimensioniert. Wenn überhaupt stellt es eine Mischung aus Ventil und „Steuerknüppel“ dar, um den Werfer auszurichten. Der eigentliche Abgang ist dann nicht das große silberne Ende, sondern tatsächlich das gebogene Stück mit dem roten Ende. Die rote Färbung für den Abgang findet man auf einigen originalen Werfern und auch die Biegung vor dem Abgang ist typisch. Demzufolge ist das silberne Endstück der Eingang für die Einspeisung durch eine externe Leitung, die hier angekuppelt werden kann.


    Auf dem Fahrerhaus ist die angedeutete Luke gut erkennbar, aus der man im sogenannten Pump and Roll Betrieb während der Fahrt das Feuer bekämpfen kann. Zum Abschluss noch die Ansicht des Unterbodens, bei der man auch die Federung erkennen kann. Diese ist hier ausgeglichener bzw. das Gewicht ist besser verteilt, als noch beim HLF.

    Fazit

    Du bist Feuerwehrmann und stehst auf´s Klemmen: Absolute Kaufempfehlung! Das vorliegende Modell stellt den vorläufigen Höhepunkt dar, was eine relativ detailgetreue Umsetzung eines Feuerwehrfahrzeugs betrifft. Die Steinequalität ist gut genug, um sich nicht darüber zu ärgern. Keine Farbabweichung beim Rot (zumindest mir fällt keine auf) und den hakeligen Bau des Fahrerhauses hat man schnell verziehen. Nichts, wofür man zum Kleber greifen müsste, wenn man sich geschickt anstellt und vorsichtig agiert (und vielleicht auch keine Wurstfinger hat ;) ).

    Der Gesamteindruck kommt dem Original ziemlich nahe. Gewisse Funktionen hätte man eventuell noch einbauen können (aufklappbare Dachkästen als Beispiel), hätten aber dann vielleicht das realitätsnahe Ausehen gemildert. Auch bei der Beladung sind viele wichtige Details umgesetzt, auch wenn manche eher der Fantasie des Designers entspringen, als der Wirklichkeit. Bei Bedarf kann man hier auch selber Hand anlegen - dafür sind es immer noch Klemmbausteine.

    Weitere Detailbilder folgen aufgrund der Bildergrenze im nächsten Post.

    Edited 7 times, last by caliban: Rechtschreibung, kleinere Umformulierungen (January 5, 2022 at 8:39 AM).

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