Cobi 5720 - Dewoitine D.520

  • Preis
    26,38 € (Cobi-Shop, 29.12.2021)
    Setnummer
    5720
    Steineanzahl
    283
    Erscheinungsjahr
    08/2021
    Minifiguren
    1 Pilot (Adj. Pierre Carrier)

    Cobi 5720 – Dewoitine D.520


    Bonjour Noppensteinwelt,

    et bienvenue dans cette revue. Avec le Dewoitine D.520, j'aimerais vous faire découvrir un avion de chasse français de la Seconde Guerre mondiale.

    … Un instant, je dois ajuster le calibrateur de langue …

    …Dit is nog steeds niet de juiste taalinstelling …

    … Vrid kugghjulet lite mer här …

    Da bin ich vor lauter Freude ein französisches Jagdflugzeug reviewen zu dürfen, sprachlich ins frankophone abgerutscht. Zum Glück ist mir dieses „malheur“ rechtzeitig aufgefallen und nach einer schnellen Sprachjustierung sollte es wieder für alle leserlich sein. Gut, dann kann ich mit dem Review zu diesem Set von Cobi mit der Setnummer 5720 loslegen.

    Das Cobi sich mit der Dewoitine dazu entschieden hat ein französisches Jagdflugzeug aus dem zweiten Weltkrieg als Set zu veröffentlichen begrüße ich sehr. Das aktuelle Angebot besteht überwiegend aus amerikanischen und deutschen Maschinen. Briten und Japaner sind aktuell jeweils nur mit einem Set vertreten und weitere Nationen (bspw. Sowjetunion) sucht man vergeblich. Die Dewoitine D.520 beweist, dass auch abseits der ganzen BF109s und P-51 Mustangs noch interessante Flugzeuge existieren. Die Dewoitine mag zwar keine Ikone ihrer Epoche oder gar kriegsentscheidend gewesen sein, so stellt sie doch die Spitze der französischen Jagdflugzeugentwicklung im zweiten Weltkrieg dar. Wer mehr über das reale Vorbild erfahren möchte, dem empfehle ich zum Einstieg in die Thematik den Wikipedia Artikel über die Dewoitine D.520 (https://de.wikipedia.org/wiki/Dewoitine_D.520). Im Jahr 2022 wird mit der Morane-Saulnier MS.406 außerdem ein weiteres Set mit einem einsitzigen, französischen Jagdflugzeug veröffentlicht.


    Im Folgenden möchte ich euch die Dewoitine D.520 von Cobi im Detail vorstellen und die Stärken und Schwächen des Sets aufzeigen. Ich habe mich erst nach dem Zusammenbau des Sets dazu entschieden ein Review zu schreiben, deswegen existieren vom Aufbau leider keine Bilder.



    Bevor wir uns dem Set im Detail widmen, zunächst noch die wichtigsten Fakten zum Set.


    Fakten zum Set:

    • Setserie: World War II – Historical Collection
    • Setname: Dewoitine D.520
    • Setnummer: 5720
    • Erscheinungsdatum: 08/2021
    • Preis (Cobi-Shop/Händler): 26,38 € (29.12.2021) / ca. 23,95 €
    • Teileanzahl: 283
    • Minifiguren: 1 Pilot (Adj. Pierre Carrier)
    • Länge: ca. 27,5 cm
    • Breite/Spannweite: ca. 33,0 cm
    • Höhe: ca. 8,0 cm (ca. 18,0 cm mit Displayständer)
    • Gewicht: ca. 216 g (ca. 259 g mit Displayständer)
    • Maßstab: 1:32
    • Kartonabmessung (LxBxH): keine Angaben auf der Cobi Homepage gefunden
    • Anleitung: DIN A4 Querformat; Klammergebunden; 89 Bauschritte (inkl. Displayständer 99 Bauschritte); Teileliste (2 Seiten); Ausgrauung vorhergehender Bauschritte
    • Besonderheiten: pad printed no stickers; bewegliche Teile (Propeller, Fahrwerk, Querruder); Displayständer mit bedruckter Fliese (Flugzeugbezeichnung)
    • Lizenz: keine

    Als Vorlage für das Flugzeug dient Cobi das „2e escadrille du GC I/3“, wobei „GC“ für „Groupe de Chasse“ also Jagdgruppe steht und „escadrille“ für Schwadron. Das Flugzeug mit der roten Zehn auf der Heckflosse wurde von Oberstabsfeldwebel Pierre Carrier geflogen. Im Mai 1940 war Carrier der erste französische Pilot, der mit einer D.520 abgeschossen wurde. Ich finde es immer wieder spannend, zu den Flugzeugen, den Piloten und den Hintergrundgeschichten zu recherchieren und auch in diesem Fall wurde ich nicht enttäuscht. Die Abbildung zeigt die D.520 von Carrier und dient mir als Vergleich mit der Umsetzung von Cobi.


    Quelle: Dekker Art Work - Thierry Dekker, gefunden auf: http://ww2fighters.e-monsite.c…es/dewoitine-d-520-2.html


    Da der Karton schon längst im Altpapier weilt und als Rohstoff hoffentlich für neue Cobi-Kartons Verwendung findet, hier zwei Abbildungen von der cobieigenen Shopseite.


    Quelle: https://cobitoys.de/small-army…itine-d520,art,12507.html


    Das im August erschienen Set setzt noch auf das „alte“ Verpackungsdesign. Neben den typischen Angaben, wie Steine- und Figurenanzahl, findet sich noch eine Maßstabsangabe. Einen Maßstab gibt Cobi nicht bei allen Flugzeugsets an. Zum Beispiel fehlt die Angabe bei der BF 110 (Cobi 5716), der Heinkel HE 111 (Cobi 5717) und der Dehavilland Mosquito (Cobi 5718). Im Hintergrund erkennt man eine getroffene BF 109 (Cobi 5715), welche laut Shopseite nicht mehr erhältlich ist. Kleiner Fakt am Rande, alle für das Jahr 2022 angekündigten Flugzeugsets kommen mit einer Maßstabsangabe.


    Quelle: https://cobitoys.de/small-army…itine-d520,art,12507.html


    Die Kartonrückseite offenbart dann weitere Details zum Set und zwei Originalabbildungen, welche beide leider nicht die von Cobi dargestellte Dewoitine mit der Kennungsnummer 10 zeigen.


    Der Kartoninhalt besteht wieder aus einer Vielzahl von Plastiktüten mit den jeweiligen Steinen sowie der Anleitung in DIN A4 Querformat. Aus Mangeln an Bildern habe ich diesen Teil des Reviews am schnellsten abgearbeitet 😉


    „pad printed – no stickers“ ist mittlerweile der Standard bei Cobi. Insgesamt gibt es 12 bedruckte Steine (inkl. der Fliese mit der Flugzeugbezeichnung). Nicht mit eingerechnet habe ich die bedruckten Höhenruder und das Seitenruder.


    Die Minifigur soll den Oberstabsfeldwebel Pierre Carrier vom 2e escadrille du GC I/3 darstellen.



    Die Aufnahmen der Figur sind mir mit meiner Smartphonekamera leider nicht sehr gut gelungen. Gelungen ist Cobi aber der Druck des Torsos, wenn dieser leider auch nur auf der Vorderseite bedruckt ist.



    Als Zubehör für den Piloten gibt es eine Sauerstoffmaske, welche im Cockpit mit einem Schlauch verbunden werden kann.


    Betrachten wir als nächstes die D.520 rundum.






    Grundsätzlich ist Cobi die Umsetzung des Flugzeugs sehr gut gelungen. Die Formteile beschränken sich auf die Flügelspitzen und das Leitwerk. Filigrane Flugzeugformen, bspw. die Verjüngung zur Heckflosse hin, wirken grundsätzlich eher etwas klobig, da die Breite am Heck zwei Noppen beträgt. Ein Umstand der aber auf alle Flugzeuge von Cobi zutrifft. Im Detail gibt es ein paar weitere Dinge, die negativ auffallen. Die Problematik der Farbunterschiede zwischen den Steinen und Drucken findet sich auch bei diesem Set. Dies fällt insbesondere auf den Tragflächen neben den Querrudern auf. Die Bewaffnung, bestehend aus einer in der Propellernarbe installierten Kanone sowie vier MGs in den Flügeln, ist noch nicht mal ansatzweise dargestellt. Hier hätte Cobi die Bewaffnung jedenfalls durch Prints andeuten können, wie zum Beispiel bei der P-51 Mustang (Cobi 5806).



    Das Tarnmuster der Vorlage hat Cobi versucht so gut wie möglich bei dem Set umzusetzen. Natürlich sind dabei ein paar Kompromisse einzugehen, wenn man die Anzahl an extra bedruckten Teilen nicht extrem in die Höhe schnellen lassen will. Auch auf diesem Bild fällt der Farbunterschied zwischen Stein und Druck auf der rechten Tragfläche ins Auge.



    Ein Highlight der D.520 ist definitiv das Fahrwerk, welches eingezogen fast komplett verschwindet. Dafür setzt Cobi an dieser Stelle zwei neue Formteile ein, welche auch in zukünftigen Flugzeugsets (wie zum Beispiel auch bei der ME 262 – Cobi 5721) Verwendung finden werden. Bei älteren Sets steht das Fahrwerk im eingefahrenen Zustand noch immer recht weit vom Rumpf ab, was durchaus störend wirken kann.



    Im ausgefahrenen Zustand lässt sich das neue Fahrwerk besser betrachten. Insgesamt kommen zwei Formteile zum Einsatz. Die verwendeten Reifen sind schmaler als bei den älteren Sets. An der Haltekonstruktion hat sich insgesamt nichts geändert. Hier kommt die bewährte Konstruktion aus C-Clamps und Stangengriffen zum Einsatz. In jeder Position wird das Fahrwerk in Position gehalten. Da wackelt nichts.



    Zur Stabilisierung der Flügel und des Rumpfes werden im zentralen Bereich um das Fahrwerk herum invertierte Fliesen verwendet. Zu den Flügelspitzen hin sind die „nackten“ Steinunterseiten zu erkennen. Da die Flugzeugunterseite normalerweise nicht im Fokus liegt, ist das aber zu verschmerzen. Zum Heck hin sind die seitlich abgerundeten Slopes zu erkennen, welche helfen die rundliche Rumpfform des Flugzeugs darzustellen.


    Da das Review erst mit reichlich Verspätung nach Zusammenbau entstanden ist, fehlen die Bilder vom Aufbau. Deswegen habe ich das Flugzeug nachträglich nochmal etwas dekonstruiert, um so einen Blick auf die Bauweise des Sets zu ermöglichen.



    Der Rumpf besteht aus einer zwei Noppen breiten Grundkonstruktion, welche beidseitig durch NRWler (NRW = Noppenrichtungswechsler) und Tiles auf eine Gesamtbreite von 3,5 Noppen erweitert wird. Zum Heck hin verjüngt sich die Breite dann wieder auf zwei Noppen. Die seitlich angebrachten Fliesen halten dabei mindestens an zwei Noppen. Die Konstruktion ist insgesamt sehr stabil. Über den gesamten Aufbau werden drei Hauptteile (vorderer Rumpf, hinterer Rumpf und Tragflächen) gebaut und über den Baufortschritt miteinander verbunden. Die Tragflächen sind an den dicksten Stellen etwas über 3 Plates mächtig, da hier teilweise noch die invertierten Fliesen zur besseren Stabilisierung zum Einsatz kommen. Wie man gut erkennen kann, verschwindet das Fahrwerk unter den Tragflächen nahezu vollständig und liegt plan an.



    Für die Darstellung des Cockpits setzt Cobi eine Mischung aus transparenten Scheiben und Prints ein. Das sieht auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig aus, da Cobi immer einen etwas comicartigen Look verwendet. Alternativ hätte Cobi ein neues Extrateil fertigen oder wie bei der Kawasaki KI-61 (Cobi 5520) eine längere und teilweise bedruckte Cockpitscheibe verwenden müssen. Die gewählte Lösung finde ich nicht 100%ig befriedigend.



    Der Print der Cockpitkanzel geht über zwei Steine. Wie man erkennen kann, lassen sich leider nicht immer alle Angusspunkte verstecken. Der Farbunterschied zwischen den Steinen und Prints sieht auf dem Bild an dieser Stelle schlimmer als in der Realität aus. Eigentlich ist hier bei Betrachtung des Sets keine Diskrepanz festzustellen. Gut gelungen sind die Farbübergänge zwischen den Steinen und den Prints. Da sind keine Versprünge zu erkennen.



    Im Cockpit findet sich der Pilotensitz, der Steuerknüppel, der Schlauch für die Sauerstoffversorgung sowie die Zieloptik hinter der Frontscheibe. Die Minifigur hat genügend Platz im Cockpit, wie man auch auf dem vorhergehenden Bild gut erkennen kann. Bedingt durch den flexiblen Schlauch wird der Pilot im Cockpit leicht nach rechts gedrückt. Das fällt aber nur bei einer sehr genauen Betrachtung auf.



    Die Heckpartie wird durch einen halbrunden Stein abgerundet, wirkt aber trotzdem noch etwas klobig. Hier müsste Cobi noch eine Lösung finden, um die Verjüngung zum Heck filigraner zu gestalten. Eine Verringerung der Breite auf eine oder anderthalb Noppen würde nicht nur der Dewoitine zu einem schöneren Aussehen verhelfen. Die Prints der Tarnung auf den Höhenrudern sehen großartig aus, auch wenn hier wieder der Farbunterschied zu den Steinen deutlich wird. Der Unterschied fällt hier in der Fotobox deutlich größer aus als wie unter normalen Beleuchtung.



    Die Querruder an den Tragflächen sind beweglich. Das Tarnmuster auf den Flügeln wird durch einen Mix aus Prints und Steinen realisiert. Unschön fallen hier auch die schon oben erwähnten Farbunterschiede auf. Der Übergang zwischen Prints und Steinen ist nahezu nahtlos.



    Die Spaltmaße könnten teilweise etwas besser sein. Würde Cobi beim Innenleben auch auf Einhornerbrochenes setzten, so würde dies an vielen Stellen nach außen durchschimmern. Zum Glück ist dies bei diesem Set nicht der Fall!

    Die Gestaltung der vorderen Rumpfpartie mit dem Motor finde ich nicht so gut gelungen. Zunächst hatte ich die Prints links und rechts für Maschinengewehre gehalten. Nach dem Studium diverser Originalaufnahmen gehe ich davon aus, dass es sich um Lufteinlässe für den Motor handelt. Diese hat Cobi aber viel zu tief angesetzt und die, nach vorne zulaufende, Form des Prints ist auch nicht zutreffend.


    Quelle: Dekker Art Work - Thierry Dekker, gefunden auf: http://ww2fighters.e-monsite.c…es/dewoitine-d-520-2.html


    Stellt man das Set dem realen Vorbild gegenüber fallen einem direkt die gut und die weniger gut umgesetzten Merkmale auf. Grundsätzlich stellt es einen Setdesigner vor schwierigen Aufgaben, wenn es darum geht, die einzigartige Form und wichtigsten Erkennungsmerkmale eins zu eins auf ein Klemmbausteinmodell zu übertragen. Berücksichtigt man dies, so ist Cobi eine gute Umsetzung gelungen. Der Teufel liegt bekanntlich im Detail. Drei „Problemzonen“ sind mir hierbei besonders ins Auge gefallen. Erstens: die Darstellung der vorderen Rumpfpartie mit dem Motor und den Luftansaugöffnungen. Zweitens: die Gestaltung des Cockpits. Hier hätte ich eine mehr nach hinten und dann bedruckte transparente Cockpitscheibe besser gefunden. Drittens: die Farbunterschiede zwischen den Prints und den Steinen.

    Positiv ist aber die allgemeine Qualität der Prints hervorzuheben, sowie die Qualität der Steine. Das Problem der Angusspunkte bekommt Cobi immer besser in den Griff. Auch das neu gestaltete Fahrwerk weiß zu überzeugen, stellt es doch eine signifikante Besserung gegenüber den bisherigen Umsetzungen dar.


    Mit der Dewoitine D.520 hat Cobi ein interessantes Stück französischer Luftfahrtgeschichte in Klemmbausteinform gebannt. Für Flugzeugliebhaber und Sammler bestimmt ein besonderes Set. Für die Mehrheit bestimmt leider weniger interessant. So fristen die Flugzeuge bei Cobi neben den Panzern und Youngtimern schon heute eher ein Nischendasein. Ich kann nur hoffen, dass Cobi weiterhin neue und unverbrauchte Flugzeuge als Klemmbausteinsets veröffentlicht und nicht nur auf altbewährtes setzt. Eine Kaufempfehlung kann ich für alle Sammler und Liebhaber der Flugzeugreihe von Cobi aussprechen.


    An dieser Stelle möchte ich mich noch vielmals für unseren Takeshi für das Korrekturlesen bedanken. Vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei.


    So und damit sind wir endlich am Ende angelangt. Danke fürs Lesen und weiterhin viel Spaß beim Bauen und Klemmen 😉

  • Wow, ein sehr sehr ausführliches Review. Könnte man glatt in ne Fachzeitschrift setzen. *d1*

    Bratpfannen sind kein integraler Bestandteil eines Panzers!

  • KaraBenNemsi es war mir eine Freude und Ehre. Ein wunderbares Review, was in der Tat auch in einer Fachzeitschrift so erscheinen kann. Da hat Sisaroth vollkommen recht.


    War echt ein Genuß dein Review vorab zur Korrektur gelesen zu haben.

    ...no animals were harmed during the production of this signature.

    Wenn ich mal nicht hier aktiv bin, dann auf meinem Blog breakingbrick.de. Content dazu auch unter dem User Breaking Brick.

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